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Die Landschaft birgt ihre Geheimnisse.
Gesellschaft
Bei der nächsten Wanderung von Bremgarten nach Muri sollte man darauf achten, ob die Meisterin des Moorental herumirrt.
Datum: 27. September 2026

Oberhalb des Frauenkonvents der schwarzen Benediktinerinnen von Hermetschwil liegt das Moorental. Früher nannten die Bewohner dieses Gebiet mit Schaudern und Schrecken nur das Mördertal. Hier hauste einst eine schlimme Mörderbande, die in dunklen Nächten einsamen Wanderern auflauerte. Sie spannten über den steinigen Weg dicke Drähte, und wenn Reisende darüber stolperten und auf den Weg stürzten, sprangen verwegene, beutelüsterne Gesellen aus Verstecken hervor, schlugen die Erschrockenen und plünderten sie gänzlich aus. Wer sich wehrte, wurde zusammengeschlagen, und manch einer fand dabei einen jähen Tod. So bekreuzigten sich die Anwohner und beteten einige Stossgebete, wenn sie bei diesem Mördertal vorbeigehen mussten. Als die Mordbuben aus der Gegend verschwanden und man im nahen Eichwald Schweine weiden liess, wechselte der böse Namen und aus dem Mördertal wurde das Moorental.

Aber auch von diesem Moorental weiss man seltsame Dinge berichten: In den heiligen Zeiten der Fronfasten sah man beim Abenddunkeln eine schwarze Klosterfrau über das Feld schreiten. Sie schaute weder nach links oder nach rechts, sie schritt langsam geradeaus und klirrte nur mit einem riesigen Bund von grossen Schlüsseln, den sie am ledernen Gürtel trug. Die Nachbarn sahen in der seltsamen Frau eine frühere Meisterin des nahen Klosters, die einst als Vorsteherin des Frauenkonvents auf unrechte Art Acker und Feld an sich gerafft habe und nun zur sühnenden Busse über die steinigen Äcker und den dornigen Forst wandeln müsse. Hin und wieder wurde die Meisterin wütend, wenn ein fürwitziger Bauernbursch ihr über den Weg lief. Dann packte sie Steine vom Ackerboden und bewarf damit den losen Burschen.

Die Meisterin sei dann in einen nahen Bach gebannt worden und habe unter einem Wasserfall eine Sühnestatt gefunden. Um dem unseligen Geist doch endlich Ruhe zu schaffen, verteilten die Klosterfrauen oftmals Brote an die Armen der Umgebung, und dann hörte man nie mehr etwas von der schlüsselklirrenden Meisterin von Hermetschwil.

Redaktion
27. September 2026
Bild: Redaktion - Illustration: Christina Blatter (1947 bis 2020)