Als das Pferd niederkniete
Es ranken sich einige Legenden um diese Stangenbohne – die Monstranzbohne. So wurde das kleine Dorf Merkershausen aus Unterfranken (D) 1631 im 30-jährigen Krieg verwüstet und blieb während Jahrzehnten unbewohnt. Nach Jahren des Wiederaufbaus habe man sich über die Pflanzen, die in der Nähe des Ortes wuchsen, gewundert. An ihrer Stelle fand man die vergrabenen Wertgegenstände aus der Kirche von Merkershausen wieder. Diese sollen vom Pfarrer vergraben und die Stelle mit einer Saat von Monstranzbohnen markiert worden sein. Als diese reif waren, sah man auf jeder Bohne eine Monstranz abgebildet. Durch diesen Wink motiviert habe man weiter im Boden gegraben und die versteckte Monstranz gefunden.
Wie die Geschichte zu berichten weiss, wurde im Krieg 1918 in der Kirche in Aristau die Monstranz gestohlen und niemand wusste, wo sie letztlich hingekommen war. Nach dem Krieg habe ein Bauer Stangenbohnen angepflanzt und dabei sei seltsames geschehen. Als er mit seinen Pferden sein Feld abräumen wollte, seien die Pferde an einer bestimmten Stelle niedergekniet. Der Bauer habe dem Geschehen verblüfft zugeschaut, habe er doch keine Ahnung gehabt, warum die Pferde das machen. Er sei der Sache auf den Grund gegangen und habe eine Bohnenschale geöffnet – das grosse Wunder, denn auf jeder einzelnen Bohne war die Monstranz abgebildet. Aufgrund dieser wundersamen Entdeckung habe sich das ganze Dorf aufgemacht nach der Monstranz zu suchen. Und siehe, da wo sich die Pferde auf den Boden gekniet hatten, fanden sie tief vergraben die Monstranz - das war ein Wunderwerk Gottes.
Die Stangenbohne «Monstranzbohne» wurde früher in vielen Klöstern angebaut, vor allem wegen ihrer geheimnisvollen Zeichnung, die an eine Monstranz erinnert, ein Gefäß in der katholischen Kirche. Bei manchen Sorten sind außerdem Flügel zu erkennen, so dass die Bohne auch «Engelsbohne» genannt wurde. Die getrockneten Bohnen wurden auch als Schmuck verwendet und unter anderem Rosenkränze hergestellt. Bauern säten die Bohnen oft an den Rändern ihrer Felder aus, um diese vor Hagel und Unwetter zu schützen.
Bei sorgfältiger Pflege und einigermassen guten Wetterverhältnissen können die Monstranzbohnen im kommenden Herbst geerntet und genossen werden – ausser es geschieht ein Wunder.
Richard Wurz
11. Januar 2026
Bilder: zVg