Kultur

Ton und Dichtung im Einklang

Anlässlich des 75. Geburtstags des Schhriftstellers Christian Haller gab es in der Alten Kirche Boswil ein besonderes Geburtstagsfest.


DSängerie Vertonung von Gedichten in der heutigen Zeit hat wohl eher Seltenheitswert. Doch gerade mit den Gedichten des Aargauer Schriftstellers Christian Haller passiert dies im Moment gerade. Es ist sozusagen ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk, das der Tenor Tino Brütsch in die Wege geleitet hat. Gemeinsam mit dem Pianisten Benjamin Engeli wurde dem Publikum ein bunter musikalischer Blumenstrauss serviert.

Zwei Uraufführungen
Tino Brütsch hat einer Komponistin und sieben Komponisten den Auftrag erteilt, eines der Gedichte von Christian Haller für Klavier und Tenor zu vertonen. Zwei dieser Arbeiten konnten anlässlich der Geburtstagsfeier bereits zum ersten Mal gehört werden. Es war dies zum einen das Werk von Daniel Fueter (*1949) über das Gedicht Regentag. Daniel Fueter ist es gelungen, das eindrückliche Gedicht von Christian Haller klanglich auf eindrucksvolle Art und Weise umzusetzen. Dazu hat er die Form der Kantate gewählt. Die Worte werden dabei von Regenklängen eingehüllt und bekommen dadurch eine ganz besondere Aussagekraft. Zur Aufführung kam an diesem Abend auch das Werk von Edward Rushton (*1972). Er hatte sich das Gedicht «Am Ende des Flurs, 4. Stock» vorgenommen und musikalisch umgesetzt. Weitere Vertonungen von Gedichten Christian Hallers werden in diesem Jahr folgen. Tino Brütsch möchte im Sommer die Lieder auf eine CD aufnehmen und ab August an verschiedenen Orten konzertant aufführen. Die CD-Taufe ist für den 18. August in Laufenburg vorgesehen.

Die Reise im Korbstuhl
Vernissage feierte an diesem besonderen Abend in Boswil aber auch der neueste Gedichtband von Christian Haller «Reise im Korbstuhl». Hanspeter Müller-Drossaart las aus dem Werk und verband dabei den Anfang und das Ende geschickt mit verschiedenen Überleitungen. Damit erhielt das Publikum, das zahlreich zu der Geburtstagsfeier erschienen war, einen Eindruck von dem äusserst komplexen, sprachlich unheimlich ausgefeilten neuesten Werk von Christian Haller.

Blick auf drei Vierteljahrhunderte
Natürlich liess es sich an diesem Abend auch das Geburtstagskind nicht nehmen einen überaus selbstironischen Blick auf sein Leben zu werfen. Der Aargauer Schriftsteller Christian Haller hat in seinen 75 Jahren vieles erlebt. Jedes der Vierteljahrhunderte schloss nach seinen eigenen Angaben ganz speziell ab. Die ersten 25 Jahren wurden nicht nur mit dem Entscheid Schriftsteller zu werden beschlossen, sondern auch mit der 1968er Bewegung und der Entdeckung der freien Liebe, wie das der Autor in seiner Ansprache betonte. Die weiteren 25 Jahre waren dann für den Schriftsteller eine harte Prüfung. Nicht nur, weil seine Literatur sich nicht immer erfolgreich verkaufte, sondern auch, weil das Leben erbarmungslos zuschlug und ihn das Schicksal hart traf. Doch die letzten 25 Jahre, hätten ihn nun wieder etwas versöhnt und er könne sie mit einer grossartigen Geburtstagsfeier beschliessen, meinte er aufgeräumt. Trotz Krieg und Missständen auf der Welt, bleibe doch die Schönheit und diese vereine sich ganz besonders in der Kombination von Dichtung und Musik.

Bettina Leemann
1.März 2018
Bilder: Bettina Leemann

Nähere Informationen zur Vertonung der Gedichte von Christian Haller findet man auf www.vokalmusik.ch/haller.html

 

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