Gesellschaft

Theater kann auch anders sein

Ein Drehbuch ist nicht zwingend ‒ Silvan Melchior von der Jungen Bühne Bremgarten erzählte am Kafi-Tratsch wie so Theater gespielt werden kann.


home tab silvan2Natürlich sei es von grossem Nutzen, wenn in der Führungsriege eines Theaters Leute mit dabei sind, die etwas von Informatik verstehen, meinte Silvan Melchior am Kafi-Tratsch im Café Spatz Bremgarten mit einem lockeren Lächeln. Es brauche ja eine gut funktionierende Infrastruktur, müssen doch die Termine geplant, die Chargenverteilung organisiert und die Bevölkerung optimal informiert werden. Für ihn sei dies kein Problem, erklärte der 25-jährige Informatik-Student, und gemeinsam mit seinen KollegInnen sei es ihm auch ein Anliegen, dass im Hintergrund alles möglichst optimal ablaufe. Aber der Grund für sein Engagement im Theater liege nicht darin, dass er sein berufliches Wissen einsetzen könne, sondern sich gerne nach einem Tag Bildschirmarbeit von dieser verabschieden und anstatt einfach sitzen Bewegung in seinen Alltag bringen wolle.

Eigentlich beides ein Theater
In der Informatik löse er Probleme, aber der Kontakt mit Menschen fehle dabei vielfach, aber das Ganze sei ein in sich geschlossener Kreis mit klaren Vorgaben. In der Jungen Bühne löse man auch Probleme aber in gemeinsamer Arbeit, denn man wolle ja letztlich ein Stück auf die Bühne bringen, welches das Publikum anzieht und mitnimmt in eine andere Welt. So bewege er sich eigentlich, wohl auf ganz verschiedene Art in zwei Theatern ‒ eine wohltuende Wechselwirkung zwischen Vorgaben und Kreativität und in beiden Theatern könne man ja die Del-Taste drücken, alles löschen und neu beginnen. Den Einstieg ins Theaterleben habe er im Schülertheater geschafft, so Silvan Melchior, obwohl er ein sehr schüchternes Kind gewesen sei. Dann kam im Kellertheater das Projekt «infisziert» und er sei dabei geblieben und habe sozusagen den Aufstieg geschafft, in die Theatergruppe der Jungen Bühne. Das mit der Schüchternheit habe sich sicher ein bisschen gelegt, ja, er sei sogar schlagfertig geworden und könne sich voll eingeben in eine Produktion. Silvan Melchior hielt aber deutlich fest, dass sein Beruf als Informatiker für ihn sehr wichtig sei. Das Theater auch, aber einen Einstieg in eine Schauspielschule habe er nie in Erwägung gezogen.

Offen sein für alle
Natürlich könne man ein gutes Drehbuch nehmen, den Text lernen und sich in die gegebene Rolle einfühlen und ein Regisseur sage dann, wo man stehen respektive wie man sich bewegen soll. «Das ist nicht mein Ding, einfach irgendeinen Text auswendig zu lernen. Ich möchte mich und meine Ideen voll und ganz eingeben können.» Das sei in der Jungen Bühne möglich, denn man erarbeite das Bühnenstück immer im Kollektiv und verzichte auf ein Drehbuch. Anstelle eines Regisseurs habe die Theatergruppe einen künstlerischen Leiter, damit letztlich das Ganze auch für das Publikum sicht- und erfassbar werde. Das sei wohl eine grosse Herausforderung für die ganze Gruppe, denn zu Beginn des Vorhabens habe man nichts. JedeR kann sich einbringen und mitbestimmen, was und wie man ein Stück mit Inhalt über den Bühnenrand hinaus ins Publikum bringen kann. «Man muss sich im Prozess kennen lernen, finden, streiten, versöhnen und bei aller Eigenständigkeit die Gruppe zusammenbringen.» Natürlich würden dabei Allianzen gebildet und ständige Veränderungen müssen ihren Platz haben. Dabei müssen alle offen sein für alles und für alle, nicht einzelnen Fehlern zuviel Zeit einräumen, sondern die Bilder abschliessen und weitermachen. Es sei müssig auf der Bühne darüber nachzudenken, ob man lustig oder traurig sein soll, sondern man müsse einfach da sein.
Auf die Nachfrage, ob denn das Ganze einfach ein Improvisationstheater sei, lächelte Silvan Melchior, und meinte: «Im Prozess entsteht ein roter Faden, so dass sich die sieben Figuren finden, ergänzen und widersprechen, aber für eine Überraschung im Text sei man immer gut genug. Und das mache letztlich Spass am Spiel.»

Richard Wurz
1. Oktober 2018
Bilder: Bettina Leemann

Die Premiere von «Spieloptimierung» findet am Samstag, 13. Oktober, um 20.15 Uhr im Kellertheater Bremgarten statt. Weitere Informationen unter www.kellertheater-bremgarten.ch
Der nächste Kafi-Tratsch findet am Samstag, 27. Oktober, um 10 Uhr im Café Spatz Bremgarten statt.

Adresse

freiamtplus.ch
Richard Wurz
Sternengasse 16
5620 Bremgarten

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